Aachen, Allgemein

Thomas Merton – zwischen Kontemplation und Politik

In dem in dieser Reihe letzten Web-Seminar im laufenden Halbjahr 2/2020 befassen wir uns am 15. Dezember 2020 (ab 18.00 Uhr) mit Thomas Merton, einem modernen Mystiker der „offenen Augen“.

Obgleich sich die Mystik des Trappisten Thomas Merton (1915-1968) aus den alten Traditionen des Mönchtums nährt, kann diese ganz und gar vor dem Hintergrund einer Spiritualität der Moderne gelesen werden. Seine biographische Prägung ist das Aufwachsen in einer Künstlerfamilie und zunächst ein Leben zwischen Frankreich, England und den USA. Der junge Merton verstand sich als Atheist und kam erst über Krisenerfahrungen zur Gottesfrage. Der Ort seiner Suche wird schließlich das strenge Mönchtum eines Trappistenklosters in Kentucky. Gleichzeitig führt ihn das Interesse für echte Meditation in einen Dialog mit den fernöstlichen Religionen und die daraus selbstverständlich resultierende Weltverantwortung zu einer kritischen Haltung gegenüber der us-amerikanischen Politik seiner Zeit. Tragend bleibt für ihn dabei aber immer das Erwachen zu einem inneren und damit wirklich freiem Selbst in der Tradition der abendländischen Kontemplation und Mystik.

Einen Endruck seiner Persönlichkeit kann man auch über diesen Rede-Ausschnitt gewinnen.

Wegen der allgemein bekannten aktuellen Probleme bezüglich von Seminarversammlungen in nur begrenzt großen Räumen – wie sie der Akademie zur Verfügung stehen – wurde entschieden, die Reihe über das gesamte Semester als „Web-Seminar“ stattfinden zu lassen. Anmelden dazu können Sie sich hier.

Bewusst wurde als Textgrundlage diesmal eine Auswahl aus einem nachgelassenen Manuskript von Thomas Merton in der Übersetzung Josef Sudbrack gewählt, der mit Merton in den 1960er Jahren eine persönliche Begegnung hatte. Diesen Auswahltext können Sie hier als PDF herunterladen (Thomas Merton, 1915-1968, Die innere Erfahrung. In: Christliche Mystik. Texte aus zwei Jahrtausenden. Hrsg. von Gerhard Ruhbach und Josef Sudbrack. München C.H. Beck 1989, S. 500-509.)

Den Text können Sie auch hier als Audio-Datei herunterladen (gelesen von Axel Grube).

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Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema – leider offenbar nur noch über Umwege erhältlich – etwa hier.

Gesamtprogramm 2/2020:

01.09.2020: Gregor von Nyssa, „Vom Kuss auf dem Mund des Lebens“ – Keime einer affektiven Mystik in der Antike:

08.09.2020: Maximus Confessor, Zur „kosmischen Liturgie“ – eine Synthese der kirchenväterlichen Mystik

27.10.2020: Hadewijch von Anvers, Über das Entwerden in der Gottesminne – auf der Suche nach einer Beginenmystik

17.11.2020: Teresa von Avila – Gott allein genügt

1.12.2020: Rudolf Steiner und die theosophisch-anthroposophische Tradition

15.12.2020: Thomas Merton – zwischen Kontemplation und Politik

Zusammenfassungen der vergangenen Lektüren:

  • 1. Halbjahr 2019: Evagrius Ponticus/Wüstenmütter und -väter, Dionysius (Pseudo-)Areopagita, Bernhard von Clairvaux, Meister Eckhart, Jakob Böhme, Simone Weil – Zusammenfassung von Dr. Uwe Beyer.
  • 2. Halbjahr 1919: Hildegard von Bingen, Marguerite Porete, Johannes vom Kreuz, Dag Hammarskjöld – Zusammenfassung von Dr. Uwe Beyer.
  • 1. Halbjahr 2020: Origenes, Johannes Scottus Eriugena, Mechthild von Magdeburg. Zusammenfassung von Dr. Uwe Beyer (Mechthild von Magdeburg wird noch nachgereicht).
  • 2. Halbjahr 2020: Gregor von Nyssa, Maximus Confessor, Hadewich von Anvers, Teresa von Ávila. Zusammenfassung von Dr. Uwe Beyer

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Ausblick
auf Themen und Termine im ersten Halbjahr 2021 (alle auch noch als Web-Seminar):

Di., 26. Januar: „Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet.“ Mystik und Gnosis am Beispiel des apokryphen Thomasevangeliums

Di., 23. Februar: „Und siehe, Du warst in meinem Innern und ich draußen“. Mystische Erfahrungen bei Augustinus

Di., 23. März: Armut als Weg oder geistige Einung – Bonaventura und franziskanischen Spiritualen

Di., 13. April: „Glaub mir’s, auch ich bin in dieser Schule gewesen.“ Martin Luther und die Tradition der Mystik

Di., 11. Mai: Mystik und Naturwissenschaft – Pierre Teilhard de Chardins evolutionäre Mystik

Di., 8. Juni: Begegnung von christlicher und indischer Mystik – Henri Le Saux (Swami Abhischiktananda)