Aachen, Allgemein

Mystik und Gnosis am Beispiel des apokryphen Thomasevangeliums

Im Halbjahr 1/2021 beginnen wir unter dem Titel Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet.“ am 26. Januar 2021 (ab 18.00 Uhr) mit dem Thema der „Gnosis“ wiederum eine Lektüre-Reihe zu „Schlüsseltexten der christlichen Mystik“.

Das Verhältnis der antiken Tradition der Gnosis zur Mystik ist umstritten: Sieht man darin idealtypisch ein System eines radikalen „Dualismus“ (also, dass geistige Welt und irdische Lebenswirklichkeit strikt getrennt sind), so steht sie in Spannung zur christlichen Mystik, die dagegen eher als ein „Monismus“ begriffen werden kann (also diese beiden Bereiche in Einheit sieht).

Nimmt man einzelne Texte, wie etwa das gnostische, apokryphe (d.h. nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommene) „Thomasevangelium“ näher in den Blick, wird man jedoch leicht feststellen können, dass hier grundlegende Erfahrungen der Mystik – wie etwa das Gefühl der Unbehaustheit und Fremdheit des Menschen in der Welt – hier bereits eine beachtenswerten Ausdruck finden. Gegen jeden platten Dualismus, werden neue Synthesen aufgrund dieser Erfahrungen gesucht und gefunden.

In den ersten Minuten dieses Video-Interviews der berühmten Reihe „Mitternachtsmagazin“ von Alexander Kluge finden sich – bei all der schrillen und maskeraden Aufmachung – weitere wichtige Informationen zu unserem Thema.

Wegen der allgemein bekannten aktuellen Probleme bezüglich von Seminarversammlungen in nur begrenzt großen Räumen – wie sie der Akademie zur Verfügung stehen – wurde entschieden, die Reihe über das gesamte Semester als „Web-Seminar“ stattfinden zu lassen. Anmelden dazu können Sie sich hier.

Die Auswahltexte können Sie hier als PDF herunterladen (Aus: Weltrevolution der Seele. Ein Lese- und Arbeitsbuch der Gnosis von der Spätantike bis zur Gegenwart. Hrsg. v. Peter Sloterdijk und Thomas Macho, 2 Bände. Gütersloh: Artemis & Winkler, 1991.)

Den Text können Sie auch hier als Audio-Datei herunterladen (gelesen von Axel Grube).

Hier die wertvollen Erträge des Philosophen Hans Jonas zu unserem Thema

Gesamtprogramm 2/2021:

Di., 26. Januar: „Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet.“ Mystik und Gnosis am Beispiel des apokryphen Thomasevangeliums

Di., 23. Februar: „Und siehe, Du warst in meinem Innern und ich draußen“. Mystische Erfahrungen bei Augustinus

Di., 23. März: Armut als Weg oder geistige Einung – Bonaventura und franziskanischen Spiritualen

Di., 13. April: „Glaub mir’s, auch ich bin in dieser Schule gewesen.“ Martin Luther und die Tradition der Mystik

Di., 11. Mai: Mystik und Naturwissenschaft – Pierre Teilhard de Chardins evolutionäre Mystik

Di., 8. Juni: Begegnung von christlicher und indischer Mystik – Henri Le Saux (Swami Abhischiktananda)

Zusammenfassungen der vergangenen Lektüren:

  • 1. Halbjahr 2019: Evagrius Ponticus/Wüstenmütter und -väter, Dionysius (Pseudo-)Areopagita, Bernhard von Clairvaux, Meister Eckhart, Jakob Böhme, Simone Weil – Zusammenfassung von Dr. Uwe Beyer.
  • 2. Halbjahr 1919: Hildegard von Bingen, Marguerite Porete, Johannes vom Kreuz, Dag Hammarskjöld – Zusammenfassung von Dr. Uwe Beyer.
  • 1. Halbjahr 2020: Origenes, Johannes Scottus Eriugena, Mechthild von Magdeburg. Zusammenfassung von Dr. Uwe Beyer (Mechthild von Magdeburg wird noch nachgereicht).
  • 2. Halbjahr 2020: Gregor von Nyssa, Maximus Confessor, Hadewich von Anvers, Teresa von Ávila, Rudolf Steiner. Zusammenfassung von Dr. Uwe Beyer