Aachen, Allgemein

Mystik im Islam – eine spirituelle Tradition zwischen Fremdheit und Vertrautheit

Am 11. September 2021 laden wir in Zusammenarbeit mit der Ev. Stadtakademie in Aachen zu einer Dialog-Tagung zu islamischer und christlicher Mystik nach Aachen ein.

Zum Tagungsthema:

Bereits im Mittelalter entwickelt sich parallel zur christlichen eine islamische Mystik – weitgehend ohne wechselseitige Kenntnis. Noch heute werden die beiden spirituellen Wege eher selten gemeinsam in den Blick genommen. Wir wollen mit dieser Tagung eine Vorstellung von der Mystik im Islam vermitteln und deren Eigenheiten sowie die Berührungspunkte mit der christlichen Mystik skizzieren.

Dazu wird Dr. Raid Al-Daghistani vom Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster in die mystische Tradition des Islam einführen, die wichtigsten Lehren der großen Sufi-Meister skizzieren und sowohl auf Parallelen als auch auf Unterschiede zwischen dem Sufismus und der christlichen Mystik eingehen.

Dr. Marco A. Sorace, Mitglied des Vorstands der „Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik e.V.“ und seit mehren Semestern Referent der Aachener Reihe „Christliche Mystik und Spiritualität“, wird beschreiben, wie ‚Mystik im Islam’ aus der Perspektive der christlich-mystischen Tradition wahrgenommen werden kann und was für beide Strömungen – gerade auch im Dialog miteinander – die theologischen wie die gesellschaftlichen Herausforderungen von heute sein könnten.

Dr. Marco A. Sorace und Dr. Raid Al-Daghistani auf der GFcM-Jahrestagung 2016

Programm

Dr. Raid Al-Daghistani:

Der Aufstieg zum Einen. Sufismus als mystischer Erkenntnisweg im Islam

Kurz-Info zum Referat:

Sufismus als ‚islamische Mystik’ wird von seinen klassischen Vertretern als ein spiritueller Weg und zugleich als eine genuin islamische Wissenschaft aufgefasst, die über diesen Weg lehrt und zudem über eine eigene Wissenschaftslehre verfügt. Somit lässt sich die islamische Mystik in ihrem doppelten Grundcharakter als Weg und Wissen bzw. Wissenschaft bestimmen. Doch woraus genau und im Einzelnen besteht der spirituelle Weg im Sufismus? Um welche Art von Wissen handelt es sich dabei? Was ist das Endziel der sufischen Bestrebungen und wie kann es erreicht werden? Was ist also das Wesen der islamischen Mystik und wie wird dieses in Schriften und Erfahrungen muslimischer Mystiker zum Ausdruck gebracht?

Dr. Raid Al-Daghistani, geb. 1983, hat in Ljubljana und Freiburg Philosophie sowie in Sarajevo und Münster Islamwissenschaft studiert, wo er auch über die Erkenntnisaspekte in der islamischen Mystik promoviert hat. Er ist als wissenschaftliche Mitarbeiter und Postdoktorand am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster und als Gastdozent am Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Universität Innsbruck tätig. Er ist Autor mehrerer Monografien und wissenschaftlicher Artikel in deutscher, englischer und slowenischer Sprache und arbeitet zurzeit an seiner Habilitation über die mystische Theologie ʿAbd al-Ǧabbar an-Niffarīs.

   

Dr. Marco A. Sorace:

Mystik in der abendländischen Konstellation von Glauben und Wissen

Kurz-Info zum Referat:

Es beeindruckt zu sehen, wie die mittelalterliche christliche und islamische Mystik weitgehend unabhängig voneinander bis in ihre Ausdrucksformen hinein Analogien – Ähnlichkeiten bei durchaus unterschiedlichen Voraussetzungen – entwickelt haben. Mystische Erfahrung und mystische Rede wird hier als ein die Religionsgrenzen übersteigendes Phänomen sichtbar.

Anders jedoch als im Islam ist in der Neuzeit das geistesgeschichtliche Umfeld der Mystik im abendländischen Christentum geprägt von einer zunehmenden Ausdifferenzierung von Glauben und Wissen, von Religiosität und Wissenschaft. Gerade vor dem Hintergrund, dass in jüngster Zeit sowohl ein institutioneller religiöser Glaube als auch ein säkularisiertes objektivistisches Wissensverständnis in eine Krise geraten sind, könnte eine Zusammenschau von islamischer und christlicher Mystik – insbesondere mit Blick auf ihre Erkenntnismöglichkeiten – in vielfacher Weise sinnvoll herausfordernd wirken. Der Vortrag versucht diese Herausforderungen zu skizzieren.

Dr. Marco A. Sorace, geb. 1970, hat in Bonn und Bochum Fundamentaltheologie studiert (also jene theologische Disziplin, die mit der „Vernunft des Glaubens“ befasst ist) und beschäftigt sich seit über 20 Jahren als Vorstandsmitglied der „Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik e.V.“ sowie als Mitglied der wissenschaftlichen „Arbeitsgemeinschaft Theologie der Spiritualität e.V.“ mit Fragen der Mystik.

Moderation: Dr. Uwe Beyer (Aachen / ESA)

Termin: Samstag, 11. September 2021, 14.30 bis 18.30 Uhr

Ort: Ev. Stadtakademie Aachen (ESA), Frère-Roger-Straße 8, 52062 Aachen – Hybrid-Veranstaltung (Präsenz und / oder digital).

Anmeldungen werden bei der ESA erbeten unter Email: simone.glup@ekir.de

Teilnahmegebühr: 12 Euro / Studierende 6 Euro